Digitalisierung & Schule

Jede industrielle Revolution – und wir stehen am Anfang einer solchen – führt zu gewaltigen Veränderungen im Arbeitsleben. Die Digitalisierung vieler Geschäftsprozesse stellt neue Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen, auf die Schulen vorbereiten müssen. Auch in der Ausbildung von Bankkaufleuten gewinnt das Thema Digitalisierung zunehmend an Bedeutung. Viele Betriebe statten ihre Auszubildenden schon zu Beginn der Ausbildung mit Tablets aus. Nun stellt sich die Frage, wie auch im schulischen Teil der Ausbildung digitale Medien sinnvoll eingesetzt werden können und was technisch dafür benötigt wird.

Tablets im Unterricht – Wird jetzt alles anders?

Im Rahmen eines Modellprojektes stattete die Firma Samsung im Schuljahr 2015/16 am Alfred-Müller-Armack-Berufskolleg erstmals eine Bankfachklasse mit Tablets aus.

Die Freude über die neuen technischen Möglichkeiten war zunächst groß. Nie wieder vergessene Bücher, da sie nun jederzeit digital verfügbar waren. Kein Kopieraufwand mehr, da die Lehrenden den Schülerinnen und Schülern Arbeitsblätter online zur Verfügung stellen konnten. Dennoch wuchsen auch die Sorgen rund um das Thema Tablets im Unterricht. Wie groß ist der Ablenkungsfaktor durch die Geräte? Wie sind „digitale“ Unterrichtsstunden didaktisch zu gestalten?

Bei den Schülerinnen und Schülern war die Gefühlslage ähnlich gemischt. Die Freude über die neuen Möglichkeiten war groß, allerdings auch die Sorge, dass sie im Unterschied zum konventionellen Unterricht die Inhalte nicht richtig verstehen würden. Auch den Ablenkungsfaktor sahen sie als eine mögliche Gefahr an.

Technische Voraussetzungen

Die Tablets sind nur ein Teil der technischen Ausstattung einer Schule, die für das digitale Arbeiten erforderlich ist. Benötigt wird auch ein flächendeckendes WLAN-Netz mit ausreichend großer Bandbreite (Datenübertragungsrate). Am Alfred-Müller-Armack-Berufskolleg steht ab dem Schuljahr 2019/2020 eine Bandbreite von 500 Mbit zur Verfügung, die bisherige Bandbreite von 100 Mbit führte bei starker Nutzung zu zahlreichen Engpässen. Darüber hinaus sind die Tablet-Klassenräume mit einem Beamer und einem Beistellgerät (s. g. Set Top Box wie zum Beispiel ein Apple TV) auszustatten. Als Schnittstelle zwischen Lehrer und Schüler dient die Lernplattform ILIAS.

Über die technischen Voraussetzungen hinaus besteht ein erheblicher Fortbildungsbedarf für die Lehrkräfte (Gerätehandling, Einsatzmöglichkeiten, Apps…).

Wie findet das Tablet den Weg in den Klassenraum – über die Schule oder die Schüler?

Für die Ausstattung der Klassen mit Tablets gibt es zwei Möglichkeiten:
  • Der Schulträger schafft die Geräte an und verleiht sie an die Schülerinnen und Schüler.
  • Die Schülerinnen und Schüler schaffen sich die Geräte auf eigene Kosten an.
Beide Varianten bringen Vor- und Nachteile mit sich. Leihgeräte verursachen einen hohen finanziellen Aufwand beim Schulträger, insbesondere weil die Tablets schnell technisch veralten. Von Vorteil ist, dass alle Schülerinnen und Schüler identische Geräte besitzen. Das erleichtert den Support und die tägliche Arbeit im Unterricht. Zudem können die Geräte nach den spezifischen Anforderungen für den Unterrichtseinsatz konfiguriert werden.

Wichtige Apps können beispielsweise vorinstalliert, das Herunterladen eigener Apps durch die Schülerinnen und Schüler eingeschränkt oder unterbunden werden. Schülereigene Geräte verlagern die Verantwortung für die Anschaffung und den Support auf die Lernenden. Eine BYOD („Bring Your Own Device“) Strategie bringt allerdings Probleme für den Unterrichtsalltag mit sich, wie beispielsweise Inkompatibilität bestimmter Apps mit dem Tablet oder auch mit der Set Top Box. Zudem besteht keine klare Trennung zwischen privater und schulischer Anwendung, was den Ablenkungsfaktor im Unterricht erhöhen kann. Das Gerät ist andererseits für die Lernenden jederzeit an jedem Ort nutzbar (z. B. Lernen zu Hause oder auf dem Heimweg in der Bahn).

Beim Thema BYOD kommt zusätzlich die Frage auf, welche Tablets verwendet werden sollen. Können die Schülerinnen und Schüler frei wählen oder gibt es eine Vorgabe für bestimmte Geräte.

Warum Tablets im Unterricht?

Bei aller Euphorie über die technischen Möglichkeiten ist zu hinterfragen, welchen Mehrwert Tablets im Unterrichtseinsatz erbringen. Rein organisatorisch vereinfacht es zunächst die Kommunikation und die Informationsweitergabe in der Klasse. Der Kopieraufwand reduziert sich, die Schultaschen aller Beteiligten werden zunehmend papierlos.

Unterrichtlich stehen neue Zugänge zum Lernstoff zur Verfügung (z. B. schnelle Internetrecherche oder Online-Übungen). Der Einsatz moderner Medien im Unterricht kann sich durch abwechslungsreiche und vielfältige Methoden positiv auf die Lernmotivation auswirken. Tablets ermöglichen ein kollaboratives Arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler können gemeinsam Arbeitsergebnisse erstellen, Teilergebnisse zusammenführen und für alle verfügbar machen.

Auch schulpolitisch bringt der Tablet-Einsatz Vorteile. Die Attraktivität einer als innovativ angesehenen Schule steigt. Der gekonnte und verantwortungsbewusste Umgang mit digitalen Medien ist eine Schlüsselqualifikation, deren Bedeutung für den privaten und beruflichen Alltag elementar ist.

Einsatzmöglichkeiten von Tablets im Unterricht

Es ist sinnvoll, den Einsatz der Tablets im Unterricht schrittweise zu erhöhen. Zunächst sollte der Lehrende das Tablet für eigene Arbeiten (Dateiverwaltung, digitaler Kalender, E-Mail, Notenverwaltung, …) nutzen, um selbst den sicheren Umgang mit den Geräten zu einzuüben. In einem zweiten Schritt arbeitet der Lehrende mit dem Tablet im Unterricht (digitale Tafelbilder, online Übungen, Lernspiele, …). Auf der dritten Stufe nutzen Lehrer und Schüler das Tablet als zentrales Unterrichtsmittel. Sie tauschen Dateien aus, kommunizieren digital und arbeiten kollaborativ zusammen.

Das Tablet dient zunächst als Unterstützung, es erweitert und modifiziert den Unterricht und kann das Lernen verändern.

SAMR = Substitution Augmentation Modification Redefinition

Grundlage für die unterrichtliche Arbeit im Bildungsgang Banken am Alfred-Müller- Armack-Berufskolleg sind zum einen die Lernplattform ILIAS und zum anderen die App „Good Notes“, die eine Bearbeitung von digitalen Arbeitsblätter und die Erstellung eigener Notizen ermöglicht. Tafelbilder, Arbeitsblättern, eigene Notizen, Fotos, Schulbuchauszüge etc. können in einem so genannten Notizbuch gesammelt und verwaltet werden.

Auf der Lernplattform ILIAS steht den Schülerinnen und Schüler das Unterrichtsmaterial online, sortiert nach Themen und Schulblöcken, zur Verfügung. ILIAS kann auch für Evaluationen, Übungen und Tests genutzt werden. Zudem kann der Lehrende über die Chatfunktion mit einer ganzen Klasse oder einzelnen Lernenden kommunizieren. Dies ist alternativ auch mit der i-Pad Anwendung „Classroom“ möglich. Mit dieser App lassen sich die Schüler-Tablets (Leihgeräte der Schule) zusätzlich navigieren, sofern die Geräte im gleichen WLAN-Netz angemeldet sind und die Funktion „Bluetooth“ aktiviert ist.

Die eingesetzten Lehrbücher stehen den Schülerinnen und Schülern als digitale Schulbücher zur Verfügung. Die Tablet- Klassen können auf eine Online-Version des Lehrbuches zugreifen und direkt darin arbeiten. Jeder Lernende erhält einen eigenen Zugang zur BiBox. Lehrer können zudem auf Zusatzmaterialien zugreifen, die ihre BiBox um eigene Arbeitsblätter erweitern.

Bei Schülerinnen und Schülern ist die Quiz-App „Kahoot“ beliebt. Die Klasse spielt von Lehrerinnen und Lehrern erstellte Multiple Choice Fragen im direkten Live- Duell jeder gegen jeden. Es gibt Punkte für richtige Antworten und Bonuspunkte für Schnelligkeit, das erhöht die Spannung. Zum Erschließen von Lernstoff ist die App zwar nicht geeignet, aber als spielerische Übung und Wiederholung zum Abschluss eines Themas ein motivierendes Instrument.

„Google Documents“ ermöglicht ein kollaboratives Arbeiten. Einzelne Schülerinnen und Schüler oder auch die gesamte Klasse (z. B. in einem Brainstorming) arbeiten zeitgleich über ihre eigenen Tablets an einem gemeinsamen Dokument. Das Ergebnis kann im Plenum besprochen, bei Bedarf verbessert und ergänzt und am Ende allen Beteiligten digital zur Verfügung gestellt werden. Der Zugang zum Dokument erfolgt über einen Link, so dass die Lernenden auch ohne ein Google- Konto an diesem Dokument arbeiten können.

Die tägliche Arbeit im Unterricht erleichtern auch die Office-Programme Word, Excel und PowerPoint. Die Schülerinnen und Schüler können hiermit Präsentationen erstellen, Abschreibungspläne entwickeln und Geschäftsbriefe schreiben. Der zeitaufwendige Weg in den PC-Raum, das langsame Hochfahren der schuleigenen PCs entfällt.

Fazit

Tablets können den Unterricht bereichern, erleichtern, erweitern und abwechslungsreich gestalten. Der Unterricht wird jedoch nicht „neu erfunden“, die mediale Umsetzung erweitert und verändert sich jedoch. Grundlage für den Einsatz von Tablets sind eine hinreichende technische Ausstattung der Schule (WLAN, Beamer, Beistellgerät) und die Schulung der Lehrkräfte. Um den Ablenkungsfaktor durch das Tablet gering zu halten, müssen die Schülerinnen und Schüler Spielregeln beachten. Es sind klare Absprachen darüber notwendig, wann das Tablet genutzt werden soll und wann es ausgeschaltet auf dem Tisch liegt. Der Einsatz der Tablets sollte nur dort erfolgen, wo sie einen Mehrwert für den Unterricht darstellen, also beispielsweise bei der Erstellung von Gruppenergebnissen, für Online-Übungen, zur Recherche, zur Erstellung von Lernvideos und zum Bearbeiten von Arbeitsblättern.

Auch eine Kombination des Tablets mit analogen Medien ist im Unterricht oft sinnvoll. Digitale Schulbücher können die Schülerinnen und Schüler am Tablet lesen und bearbeiten (Markieren, Ergänzungen hinzufügen). Zeitgleich können sie auf einem Blatt die Arbeitsaufträge bearbeiten, Fotos und Arbeitsergebnisse in einem digitalen Notizbuch (beispielsweise in Good Notes) hinterlegen.

Bei der Arbeit mit digitalen Medien ist der Datenschutz von großer Bedeutung. Es sind IT-Nutzungsbedingungen als Ergänzung zur Schulordnung zu entwickeln. Bei BYOD-Geräten mischen sich durch private und schulische Nutzung personenbezogene Daten mit nicht-sensiblen Daten. Der Umgang mit personenbezogenen Daten ist im Unterricht zu thematisieren. Beim Einsatz von Tablets im Unterricht werden häufig Clouds zur Datenspeicherung genutzt. Dabei ist die Frage zu stellen: Wo genau liegen diese Daten? Welche Cloud kann eingesetzt werden? Bei Leihgeräten ergibt sich zusätzlich das Problem der Datensicherung.

Die Entwicklung von didaktischen Konzepten für Tablet-Klassen ist aufwendig. Dazu braucht es Zeit und Teamwork. In der Vorbereitung sind folgende Fragen zu klären:

  • Wer beschafft die Tablets (Schüler oder Schulträger)?
  • Welche Tablets werden angeschafft (einheitliche Geräte oder freie Auswahl)?
  • Welche Lernplattform soll genutzt werden?
  • Welche Apps sollen auf den Geräten installiert werden?

Dann folgt die größte Aufgabe: die Entwicklung von Arbeitsmaterial für den digitalen Unterricht (Erstellung von Lernsituationen, Online-Übungen, Quizaufgaben, Veränderung von Arbeitsblättern für die Bearbeitung am Tablet, …). Dies ist die eigentliche Herausforderung und mit viel Arbeit verbunden.

Digitale Schulbücher bieten mittlerweile die Funktion eines Notizbuches. Die BiBox der Westermann Gruppe bietet die Möglichkeit, in digitalen Schulbüchern eigene Notizen und Dateien einzufügen.

Die Digitalisierung schreitet in allen Lebensbereichen weiter voran. Wenn die Schule den Auftrag hat, Handlungskompetenz in allen Bereichen zu vermitteln, muss die Digitalisierung ein zentrales Thema und Medium im Unterricht sein.

Ihr Autor


Jan Schuster (Dipl.-Hdl.) ist Lehrer am Alfred-Müller-Armack Berufskolleg in Köln. Er unterrichtet dort schwerpunktmäßig Bankkaufleute.
Daneben ist er Mitautor am Kompetenztraining Bankbetriebslehre der Westermann Gruppe. Vor seinem Studium hat er erfolgreich eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert.
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