Aufgabe 3: Ein Medienbildungskonzept erarbeiten


Das Medienbildungskonzept ist der Kern der schulischen Medienentwicklungsplanung. Was wollen wir überhaupt? Und wie können wir dieses Ziel erreichen? Das sind die Kernfragen, die hier bearbeitet werden müssen. Nach den Vorstellungen der Kultusministerkonferenz soll Medienbildung fächerintegrativ vermittelt werden. Das heißt: Die Schülerinnen und Schüler sollen Medienkompetenzen im Rahmen des Fachunterrichts erwerben und dazu die Inhalte der verschiedenen Fächer nutzen. Das entspricht auch der Lebenswirklichkeit, in der digitale (ebenso wie analoge) Medien selbstverständlich dazu genutzt werden, sich mit einem Inhalt zu befassen und niemals losgelöst davon.

Günstig: Einführungskurs in Klasse 5
Dennoch kann es sinnvoll sein, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule zunächst einen Einführungskurs zum Thema Medien durchlaufen. Dabei sollten die schulischen Regelungen zum Umgang mit Medien – vom Surfen im Internet über die Nutzung der Schul-PCs bis zur Verwendung der privaten Smartphones – ebenso zur Sprache kommen wie grundlegende Aspekte von Datensicherheit und Netiquette, zum Beispiel den richtigen Umgang mit Passwörtern, das Anmelden im Schullaufwerk und die Benimmregeln in einem Klassen-Chat.
Für die Organisation eines solchen Einführungskurses gibt es mehrere Möglichkeiten, zum Beispiel:
  • die Nutzung von Poolstunden im Rahmen eines Schulcurriculums
  • die Anbindung an eine Einführungsphase in Klassenstufe 5
  • die Organisation als Projektwoche zu Beginn von Klassenstufe 5
  • der Erwerb eines Medienführerscheins oder -passes
  • die Einrichtung eines Medienfachs für Klassenstufe 5.
Projekttage und -wochen können zur Förderung von Medienkompetenzen genutzt werden. Die Medienbildung komplett in Projekte auszulagern ist aber nicht sinnvoll, weil dann die spiraldidaktische Verankerung im Unterricht der einzelnen Fächer unterbleibt. Nachhaltige Medienbildung ist durch Insellösungen an Projekttagen nicht machbar. Zusätzliche Projekttage mit attraktiven Themen können aber natürlich die Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern fördern und ihre Motivation steigern.

Medienbildung als eigenes Fach
Manche Schulen machen Medienbildung zum Leuchtturmprojekt und bieten ein eigenes Fach an. Entweder für bestimmte Klassenstufen oder im Wahlpflichtbereich. Gerade wenn Medienkunde als ein Fach unter mehreren möglichen zur Auswahl steht, ist dies natürlich nicht ausreichend, um Medienkompetenzen über die gesamte Schülerschaft zu entwickeln. Insofern ist eine solche „Wahl-Lösung“ zwar möglich, aber als Grundlage von schulischer Medienbildung nicht ausreichend.
Gleichzeitig Vor- und Nachteil der Einrichtung eines Medienfaches: eine bestimmte Lehrkraft ist dann für die Medienbildung zuständig. Damit hat die Schule eine Expertin oder einen Experten, der auch bei Projekten und bei der Weiterbildung des Kollegiums wichtige Aufgaben übernehmen kann. Andererseits gibt es nicht in jedem Kollegium eine Lehrkraft, die eine solche Aufgabe übernehmen kann oder möchte.

Medienbildung im Fachunterricht
Ähnlich wie Methodenkompetenzen kann auch Medienbildung nachhaltig nur angedockt an Inhalte des Fachunterrichts vermittelt werden. Daher muss sich jede Schule darüber klar werden, welche Medienkompetenzen zu welchem Zeitpunkt und in welchem Fach eingeübt und wann und wo sie später trainiert werden sollen. Sinnvollerweise erarbeiten die Fachkonferenzen auf Grundlage der Lehrpläne und der schulischen Stoffverteilungspläne und mit Hilfe des KMK-Rasters zunächst eine Übersicht, welche Medienkompetenzen in ihrem Fach wann mit welchem Thema angebahnt werden sollen. Es bietet sich an, dieses Raster jeweils für die Doppeljahrgänge 5/6, 7/8, 9/10 und gegebenenfalls für die Oberstufe zu füllen.

Im nächsten Schritt muss aus diesen Fach-Übersichten eine schulische Gesamtplanung erstellt werden. Diese sollte besonders fächerübergreifende und spiraldidaktische Aspekte berücksichtigen. Diese Aufgabe kann eine spezielle Arbeitsgruppe mit Vertretern der wichtigsten Fächer übernehmen. Bei der Erarbeitung dieser Gesamtplanung wird – entsprechend den Vorgaben des KMK-Papiers – das Lernen mit Medien (also die Nutzung von Medien zum Erreichen fachlicher Ziele) genauso berücksichtigt wie das Lernen über Medien (also Medien als Lerngegenstand).
Wenn die fächerübergreifende Gesamtplanung der Medienbildung erstellt ist, können die Fachkonferenzen in einem nächsten Schritt den Kompetenzerwerb konkretisieren und einzelne Unterrichtseinheiten planen. Eine solche Kooperation im Kollegium unterstützt nicht nur die Verwurzelung der Medienbildung im Schulalltag, sondern bringt auch Entlastung für die Kollegen.

Lernplattform als Teil des Medienkonzeptes
Im Rahmen der Erarbeitung eines Medienbildungskonzepts sollte man auch darüber nachdenken, ob im Unterricht künftig eine Lernplattform genutzt werden soll. Es lohnt sich, Erfahrungsberichte von Schulen einzuholen, die eine solche Plattform bereits nutzen oder sich bewusst gegen die Nutzung entschieden haben.

Schritt für Schritt zum Medienbildungskonzept
  1. Über Einführungskurs und Medienfach entscheiden
  2. Medienkompetenzen mit Fachinhalten verbinden – jeweils für Klassenstufe 5/6, 7/8, 9/10 und gegebenenfalls Oberstufe (Fachkonferenzen, Checkliste 8)
  3. Aus den fachspezifischen Medienkompetenzplänen einen Gesamtplan entwickeln (Arbeitsgruppe)
  4. Fachspezifische Medienkompetenzpläne konkretisieren – beispielhafte Unterrichtseinheiten planen, Materialien zusammenstellen (Fachkonferenzen)
  5. Nach Wunsch eine Lernplattform einbinden