Berechnung und Buchung der Werkstoffeinkäufe und der Werkstoffbestände bei bestandsorientierter und bei aufwandsorientierter Beschaffung

von Wolf-Dieter Rückwart, aktualisiert Februar 2024

Zum Inhalt:

  1. Einführung
  2. Berechnung und Buchung des Werkstoffeinkaufs und der Werkstoffsbestände bei bestandsorientierter Beschaffung
  3. Berechnung und Buchung des Werkstoffeinkaufs und der Werkstoffsbestände bei aufwandsorientierter Beschaffung

1. Einführung

Werkstoffe werden in Form von Rohstoffen, Hilfsstoffen, Betriebsstoffen und Vorprodukten/Fremdbauteilen von jedem Industrieunternehmen als Grundlage der Produktion laufend gekauft und in die Verarbeitung gegeben. Je nach den Produktionsbedingungen erfolgt die buchhalterische Darstellung der Einkäufe und Bestände bestandsorientiert oder aufwandsorientiert. Beide Verfahren haben Auswirkung auf die buchhalterische Erfassung der Werte.

Die bestandsorientierte Buchung der bestellten und gelieferten Werkstoffe sowie deren Bestände wird der Unternehmer dann wählen, wenn die Produktionsbedingungen eine Einlagerung der Werkstoffe vor der Verarbeitung verlangen oder wenn die Bevorratung von Werkstoffen notwendig ist. Die buchhalterische Problematik ergibt sich in diesem Fall daraus, dass in der Regel der Wert der in einer Rechnungsperiode bezogenen und auf den Bestandskonten gebuchten Werkstoffe nicht mit dem Wert der in der gleichen Periode verarbeiteten Werkstoffe übereinstimmt.

Die aufwandsorientierte Buchung der Werkstoffeinkäufe wird dann angewendet, wenn die Werkstoffe unmittelbar nach der Lieferung verarbeitet werden sollen. In diesem Fall erfolgt die Anlieferung ohne vorherige Einlagerung „just in time“ direkt an die Produktionsstellen. Hier gilt ebenfalls, dass die auf den Aufwandskonten gebuchten Werkstoffzugänge in der Regel nicht mit dem Wert der in der gleichen Periode verarbeiteten Werkstoffe übereinstimmen.

Zwei Fälle lassen sich unterscheiden:
Für die Buchungen der Werkstoffeinkäufe kommen die nachstehend aufgeführten Konten infrage. Sie werden in den Darstellungen entsprechend verwendet.
Im folgenden Eingangsbeispiel wird vereinfacht in allen Rechnungsperioden mit einem gleichbleibenden Beschaffungspreis gerechnet.

2. Berechnung und Buchung des Werkstoffeinkaufs und der Werkstoffbestände bei bestandsorientierter Beschaffung

Bei der bestandsorientierten Beschaffung von Werkstoffen werden die Anschaffungskosten zunächst auf den Bestandskonten der Klasse 2 gebucht. Jede nachfolgende Entnahme wird durch Materialentnahmescheine belegt und auf dem entsprechenden Vermögenskonto sowie dem zugehörigen Aufwandskonto gebucht.

2.1 Minderbestand

Aus der Lagerbuchhaltung liegen folgende Daten zur Einlagerung, zur Ausgabe der Folientaster sowie zum Lagerbestand am Ende der Abrechnungsperiode vor:

Aus den obigen Buchungen und den Kontendarstellungen geht hervor, dass die Aufwendun-gen (Werkstoffeinsatz) im Jahr 02 insgesamt 7.500,00 € betragen und dass die zusätzlich verbrauchten 10 Folientaster das Vermögen in der Bestandsrechnung um (1.500,00 €  -  1.000,00 € =) 500,00 € verringern. Der Inventurbestand ist kleiner als der Anfangsbestand.

Sollte eine Inventurdifferenz vorliegen, die durch einen Inventurbestand von z. B. 18 Folientastern (≙ 900,00 €) hervorgerufen wird, so erhöht der Fehlbetrag (100,00 €) den Werkstoffeinsatz und setzt den Werkstoffbestand herab. Es ist wie folgt zu buchen:

2.2 Mehrbestand

Aus der Lagerbuchhaltung liegen folgende Daten zur Einlagerung, zur Ausgabe der Folientaster sowie zum Lagerbestand am Ende der Abrechnungsperiode vor:
Durch die Inventur wird der Buchbestand von 50 Folientastern bestätigt. Diese Folientaster sind bei einem Tagespreis von 52,00 € nach dem Niederstwertprinzip zum Anschaffungspreis von 50,00 € je Stück € mit 2.500,00 € zu bewerten.
Aus den obigen Buchungen und den Kontendarstellungen geht hervor, dass die Aufwendungen (Werkstoffeinsatz) in der Erfolgsrechnung 6.000,00 € betragen und dass die nicht verbrauchten 50 Folientaster das Vermögen in der Bestandsrechnung von 1.000,00 € auf 2.500,00 € erhöhen. Der Inventurbestand ist größer als der Anfangsbestand.

Sollte eine Inventurdifferenz vorliegen, die auf einen Inventurbestand von z. B. 47 Folientastern (≙ 2.350,00 €) zurückzuführen ist, so verringert sich der Werkstoffbestand zum Abschlussstichtag um den Fehlbetrag von 150,00 € und erhöht sich der Werkstoffeinsatz um den gleichen Betrag. Es ist wie folgt zu buchen:

3 Berechnung und Buchung des Werkstoffeinkaufs und der Werkstoffbestände bei aufwandsorientierter Beschaffung

Bei der aufwandsorientierten Beschaffung werden die Werkstoffeinkäufe in der Buchhaltung unter Umgehung der Bestandskonten (Kontenklasse 2) direkt auf den Aufwandskonten (Kontenklasse 6) gebucht. Dadurch werden die Werkstoffaufwendungen entweder zu hoch (bei geringerem Verbrauch) oder zu niedrig (bei höherem Verbrauch) angesetzt. Sie sind aufgrund der Inventur zu korrigieren. Auf den Bestandskonten der Klasse 2 werden nur der Anfangs- sowie der Inventurbestand und die Bestandsveränderung gebucht.

3.1 Minderbestand

Die Inventur bestätigt den Buchbestand von 20 Folientastern. Für die Bewertung des Inventurbestandes ist der Anschaffungspreis von 50,00 €/Stück heranzuziehen. 
Die Folientaster haben einen Inventurwert von 1.000,00 €; er liegt um (10٠50,00 € =) 500,00 € unter dem Anfangsbestand. Die Aufwendungen sind um diese 500,00 € zu erhöhen.
Aus den obigen Buchungen und den Kontendarstellungen geht hervor, dass die tatsächlichen Aufwendungen (Werkstoffeinsatz) in der Erfolgsrechnung 7.500,00 € betragen und dass die zusätzlich verbrauchten Folientaster das Vermögen in der Bestandsrechnung um 500,00 € verringern. Der Inventurbestand (1.000,00 €) ist kleiner als der Anfangsbestand (1.500,00 €).

Sollte eine Inventurdifferenz vorliegen, die auf einen Inventurbestand von z. B. 18 Folientas-tern zurückzuführen ist, so reduziert sich der Inventurbestand um 100,00 € auf 900,00 €, während durch den höheren Minderbestand die Werkstoffaufwendungen steigen; und es wäre wie folgt zu buchen:


3.2 Mehrbestand

Aus der Lagerbuchhaltung liegen folgende Daten zum Anfangsbestand, zur Beschaffung sowie zum Lagerbestand am Ende der Abrechnungsperiode vor:
Durch die Inventur wird der Buchbestand von 50 Tastern bestätigt. Die Folientaster sind bei einem Anschaffungspreis von 50,00 € je Stück, der dem Tagespreis entsprechen soll, mit 2.500,00 € zu bewerten.
Aus den obigen Buchungen und den Kontendarstellungen geht hervor, dass die tatsächlichen Aufwendungen (Werkstoffeinsatz) in der Erfolgsrechnung 6.000,00 € betragen und dass die zusätzlich eingelagerten Folientaster das Vermögen in der Bestandsrechnung um 1.500,00 € auf nunmehr 2.500,00 € erhöhen. Der Inventurbestand ist größer als der Anfangsbestand.

Sollte eine Inventurdifferenz vorliegen, die auf einen Inventurbestand von z. B. 47 Folientastern (≙ 2.350,00 €) zurückzuführen ist, so reduziert sich der Inventurbestand und damit auch der Mehrbestand um 150,00 €, während die Aufwendungen auf 6.150,00 € steigen; und es wäre wie folgt zu buchen:

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