Der Anspruch der traditionellen Berufsbildung ist, eine stabile Qualität zu erreichen. In der Realität begegnen uns dabei eine neue Dynamik, stärkere Unsicherheiten und Widersprüche.
Was verändert sich und warum müssen wir uns auch ändern?
Viele Ausbildungsberufe kommen mit der tatsächlichen Änderung in der Arbeitswelt kaum noch mit. Unser Berufsbildungssystem versucht, einige der Änderungen berufsübergreifend abzubilden, wie zum Beispiel mit den Standardberufsbildpositionen von 2021, die Themen wie Digitalisierung, und Nachhaltigkeit, etc. behandeln. Jedoch reichen diese längst nicht mehr. Es reicht auch nicht, nur „ein bisschen digitaler“ zu denken.
Hier zwei Beispiele zu den aktuellen Herausforderungen in Ausbildungsbetrieben:
- Die Auszubildenden sind heterogener denn je. Sie haben unterschiedliches Vorwissen, verschiedene Schulabschlüsse, variieren in Alter, Motivation und im Durchhaltevermögen. Gleichzeitig werden Sprachlevels und Kulturen diverser.
- Die neue und disruptive Technologie der künstlichen Intelligenz und greift langsam in jeden Bereich der Ausbildung ein. Noch ist ihr Einfluss je nach Berufsfeld unterschiedlich stark ausgeprägt, ihr Einsatz steigt aber in allen Bereichen. Wir müssen über KI lernen (Wie funktioniert sie? Welche rechtlichen und technischen Aspekte müssen wir beachten? Welche Arten von KI gibt es?), wir müssen mit KI lernen (Chatbots für individuelles Lernen, adaptive Lernsysteme), wir lernen KI als Arbeitswerkzeug kennen (Programmierassistent, System für Predictive Maintenance, Logistiktracker) und wir bauen KI in Produkte ein (Personalsysteme, Maschinen, Autos, Tools, Apps).
Außerdem benötigen wir
- die Fähigkeit, aus der immensen Informationsflut relevante Inhalte herauszufiltern,
- die Fähigkeit, Quellen und KI-generierte Inhalte zu bewerten und sinnvoll einzusetzen und
- die Fähigkeit, verschiedenste Materialien auch für individuelle Lernwege zu kombinieren (unterschiedliche Sprachniveaus, inhaltliche Differenzierung, etc.).
Was können Ausbilder/-innen jetzt selbst tun?
- selbst regelmäßig weiterlernen, z. B. mit Micro-Learnings oder über fachliche Videos,
- die eigenen Recherchekompetenz trainieren, etwa indem man gemeinsam mit Azubis recherchiert, Quellen vergleicht und diskutiert,
- KI nicht verteufeln, aber auch nicht glorifizieren, denn es ist wichtig, ein fundiertes Wissen und eine reflektierte Meinung zu KI zu entwickeln,
- einen Medienmix nutzen: klassische Materialien mit digitalen Tools und KI-Angeboten kombinieren und nie den Praxistransfer vergessen und
- eine verlässliche Wissensbasis nutzen: Fachverlage wie Westermann bieten (z.B. über die BiBoxen oder das Digitale Ausbildungspaket) geprüfte, valide Inhalte, die Sie stabil durch den Wandel begleiten.
Fazit
Ausbilder/-innen waren schon immer mehr als Wissensvermittler. Doch heute müssen sie immer mehr Differenzierer/-in, Lernbegleitung und manchmal auch Navigationshilfe im schnellen Wandel sein. Ausbildungspersonal kann nicht mehr alles wissen, aber es bleibt die Verantwortung, den Lernenden die Wissensinhalte gut strukturiert, professionell kuratiert und methodisch wertvoll arrangiert bereitzustellen. Ausbilder/-innen müssen sich stetig weiterentwickeln. Nicht alles zu wissen ist kein Fehler. Sich nicht stetig weiterzubilden jedoch schon.
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