Zum Hauptinhalt

DIHK-Ausbildungsumfrage 2026: Potenzial erkennen, Fachkräfte entwickeln

Lesedauer: 5 Minuten
Die Ausbildungsstelle ist ausgeschrieben, Bewerbungen gehen ein – und trotzdem passt niemand so richtig? Damit sind Sie nicht allein.

Die aktuelle DIHK-Ausbildungsumfrage 2026, an der sich mehr als 14.000 Unternehmen beteiligt haben, zeigt: Rund jeder zweite Betrieb konnte 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Das größte Problem ist dabei nicht unbedingt, dass überhaupt keine Bewerbungen eingehen. Rund zwei Drittel der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten sagen vielmehr: Es fehlen geeignete Bewerberinnen und Bewerber.

Doch die Umfrage zeigt noch etwas anderes – und gerade das ist für Ausbilderinnen und Ausbilder interessant: Viele Betriebe reagieren darauf nicht mit Rückzug, sondern mit Unterstützung.

Was fehlt beim Ausbildungsstart?

Besonders häufig berichten Unternehmen von Defiziten bei Belastbarkeit, Disziplin sowie Aufmerksamkeit und anderen kognitiven Fähigkeiten. 51 Prozent stellen häufig mangelnde Belastbarkeit fest, 41 Prozent Defizite bei der Disziplin.

Deutlich besser sieht es bei der Teamfähigkeit aus: Hier beobachten nur acht Prozent der Betriebe häufige Defizite. Zusammenarbeit funktioniert also offenbar besser, als manche Diskussion über die „Generation Z“ vermuten lässt. Für den Ausbildungsalltag ist das entscheidend: Fachwissen lässt sich lernen – und auch Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit oder der Umgang mit Belastung können sich entwickeln.

Drei von vier Betrieben geben Jugendlichen mit Startschwierigkeiten eine Chance

Die DIHK-Ausbildungsumfrage liefert eine ermutigende Zahl: Drei von vier Betrieben, die mangelnde Grundkompetenzen bei Schulabgängerinnen und Schulabgängern feststellen, sind grundsätzlich bereit, auch Jugendliche mit Startschwierigkeiten auszubilden. Viele lösen das ganz pragmatisch. 39 Prozent bieten beispielsweise eigene Nachhilfe im Unternehmen an. 31 Prozent geben lernschwächeren Jugendlichen auch ohne öffentliche Unterstützung eine Chance.
Das zeigt: Ausbildung bedeutet heute in vielen Betrieben längst mehr als die Vermittlung eines Berufsbildes. Ausbilderinnen und Ausbilder erklären, strukturieren, motivieren, geben Rückmeldung – und helfen manchmal dabei, Grundlagen nachzuholen. Das kostet Zeit. Gleichzeitig kann genau diese Begleitung darüber entscheiden, ob aus einem zunächst unsicheren Jugendlichen einige Jahre später eine dringend benötigte Fachkraft wird.

Eignung praktisch erproben

Ein weiteres Ergebnis der DIHK-Umfrage passt dazu: 70 Prozent der Betriebe beobachten zumindest gelegentlich Defizite bei der Berufswahlkompetenz. Viele Jugendliche können ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen noch nicht sicher einschätzen oder wissen zu wenig darüber, was sie im gewählten Beruf tatsächlich erwartet. Umso wichtiger sind Gelegenheiten, bei denen beide Seiten herausfinden können: Passt dieser Beruf – und passt dieser junge Mensch zu unserem Betrieb?

Ein Praktikum, ein Schnuppertag oder kurze praktische Aufgaben im Bewerbungsprozess können dabei mehr zeigen als Schulnoten allein. Beobachten Sie zum Beispiel: Wer arbeitet konzentriert? Wer fragt nach? Wer lernt schnell dazu? Wer geht offen auf andere zu? Wer übernimmt nach kurzer Zeit selbstständig kleine Aufgaben? So wird sichtbar, was im Ausbildungsalltag wirklich zählt – und worauf Sie aufbauen können.

Manchmal liegt das Problem außerhalb des Betriebs

Nicht jede unbesetzte Stelle scheitert an der Qualifikation: Fast zwei Drittel der Betriebe sehen fehlenden bezahlbaren Wohnraum für Azubis als Problem. Gerade bei längeren Anfahrtswegen kann es sich deshalb lohnen, früh nachzufragen, ob Wohnungssuche oder Finanzierung den Ausbildungsstart gefährden – und gegebenenfalls auf regionale Hilfen hinzuweisen.

Auch internationale Auszubildende gewinnen an Bedeutung

Mehr als jeder zweite befragte Betrieb sieht Auszubildende aus Drittstaaten als Chance für die Fachkräftesicherung. Für Ausbilder/-innen bedeutet das häufig vielfältigere Ausbildungsgruppen – und damit eine noch größere Bedeutung von verständlicher Sprache, klaren Arbeitsaufträgen und festen Ansprechpersonen.

Und nach der Ausbildung? Die Betriebe wollen ihre Azubis behalten

Bei allen Schwierigkeiten enthält die DIHK-Umfrage auch eine ausgesprochen positive Botschaft: Rund zwei Drittel der Betriebe übernehmen alle ihre Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen. Vier von fünf übernehmen mindestens drei Viertel. Ausbildung bleibt damit für viele Unternehmen ein zentraler Weg, die eigenen Fachkräfte zu gewinnen.

Unser Fazit

Den perfekten Azubi, der vom ersten Tag an fachlich stark, belastbar, selbstständig und sicher in seiner Berufswahl ist, wird es nicht immer geben. Die DIHK-Ausbildungsumfrage zeigt aber: Viele Betriebe sind bereit, Potenzial zu entwickeln, statt nur fertige Kompetenzen vorauszusetzen. Für die Auswahl heißt das: Schauen Sie nicht nur darauf, was Bewerberinnen und Bewerbern noch fehlt. Fragen Sie auch: Wie lernbereit ist dieser junge Mensch? Welche praktischen oder sozialen Stärken bringt er mit? Und was lässt sich mit guter Begleitung entwickeln? Denn genau darin liegt eine Stärke der dualen Ausbildung: Junge Menschen müssen am ersten Ausbildungstag noch keine Fachkräfte sein. Sie sollen die Chance bekommen, welche zu werden.

Quelle

Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK): Ausbildung 2026 – Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung, Juli 2026. Die Befragung umfasst Rückmeldungen von 14.058 Unternehmen.


Zurück zur Übersicht