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Fachkräfte im eigenen Betrieb entwickeln: Wie aus Helfer/-innen Fachkräfte werden

Lesedauer: 5 Minuten
Viele Unternehmen suchen händeringend qualifiziertes Personal. Gleichzeitig gibt es Beschäftigte, die bereits Berufserfahrung mitbringen, bislang aber vor allem einfache oder unterstützende Tätigkeiten übernehmen. Könnten einige von ihnen gezielt für Aufgaben auf Fachkraftniveau qualifiziert werden?

Genau dieser Frage geht die 2026 veröffentlichte Studie „Aufstiege ermöglichen – Wie aus Helfer:innen Fachkräfte werden“ der Bertelsmann Stiftung nach. Grundlage ist unter anderem die Auswertung von mehr als 40 Millionen Online-Stellenanzeigen. Untersucht wurde, welche Kompetenzen Betriebe bei Helfer/-innen und Fachkräften tatsächlich verlangen – und was für den Aufstieg zur Fachkraft noch fehlt. [1]

Die zentrale Botschaft: Fachkräftesicherung muss nicht immer mit der Suche nach neuen Beschäftigten beginnen. Es lohnt sich auch der Blick auf die Menschen, die bereits im Unternehmen arbeiten.

Viel Potenzial – aber schwierige Perspektiven

Fast 4,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zwischen 25 und 64 Jahren haben entweder gar keinen oder keinen anerkannten Berufsabschluss. Mehr als 1,5 Millionen von ihnen arbeiten auf Helferniveau. Wichtig dabei: Helfer/-innen und Menschen ohne Berufsabschluss sind nicht dasselbe. Auch Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung können als Helfer/-innen tätig sein. Insgesamt arbeiten rund 5,7 Millionen Menschen auf Helferniveau. [1]

Die beruflichen Chancen unterscheiden sich deutlich: 2025 lag die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss bei 21,3 Prozent, bei Menschen mit Berufsausbildung dagegen bei 3,5 Prozent. [2]

Gleichzeitig fehlen vielen Unternehmen Fachkräfte. Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) ließen sich durch die Qualifizierung von Helfer/-innen rechnerisch 34 Prozent der Fachkräftelücke schließen. [3]

Wer als Helfer/-in arbeitet, startet nicht bei null

Beschäftigte bringen aus ihrer bisherigen Arbeit bereits Kenntnisse, Routinen und praktische Erfahrung mit. Deshalb fragt die Studie nicht nur nach formalen Abschlüssen, sondern vor allem: Was kann eine Person bereits – und welche Kompetenzen fehlen noch für eine Tätigkeit auf Fachkraftniveau? Dabei kann es beispielsweise um Fachkenntnisse, digitale Kompetenzen, Dokumentation, Prozessverständnis, selbstständiges Arbeiten, Kommunikation oder Planung gehen. [1]

Für Betriebe bedeutet das: Statt Beschäftigte komplett neu zu qualifizieren, kann vorhandenes Können zum Ausgangspunkt werden, um gezielt die noch fehlenden Kompetenzen aufzubauen.

Nicht jeder Aufstieg funktioniert gleich

Die Studie untersucht acht Berufsfelder und unterscheidet drei Wege:
1. Einzelne Teilqualifikationen können ausreichen.

Das trifft beispielsweise auf Büro, Verkauf, Lagerwirtschaft und Gartenbau zu. Hier können einzelne Qualifizierungsbausteine den Weg in Richtung Fachkrafttätigkeit ermöglichen.

2. Eine umfassendere Qualifizierung ist erforderlich.

Im Maschinenbau und in der Fahrzeugtechnik liegen Helfer- und Fachkraftprofil weiter auseinander. Hier kommen eher eine vollständige Ausbildung, eine Umschulung oder mehrere beziehungsweise alle erforderlichen Teilqualifikationen infrage.

3. Ein anderer Zielberuf kann sinnvoller sein.
In der Reinigung sowie im Objekt- und Personenschutz verbessert eine Qualifizierung zur Fachkraft die Arbeitsmarktchancen laut Studie nur begrenzt. Hier sollte geprüft werden, ob ein anderer Zielberuf bessere Perspektiven bietet.
Die entscheidende Botschaft: Die Qualifizierung muss zu den vorhandenen Kompetenzen, zum Zielberuf und zum regionalen Arbeitsmarkt passen. [1]

Teilqualifikationen: Schritt für Schritt weiterkommen

Eine wichtige Rolle können Teilqualifikationen (TQ) spielen. Sie ermöglichen es, berufliche Kompetenzen schrittweise in abgegrenzten Handlungsfeldern aufzubauen und erworbene Kenntnisse nachzuweisen. Das ist besonders für Erwachsene interessant, die bereits im Berufsleben stehen: Neue Kompetenzen können an vorhandene Erfahrungen anknüpfen und berufsbegleitend erworben werden – bis hin zum Berufsabschluss. [1]

Wie das aussehen kann, zeigt die Studie am Beispiel Lagerwirtschaft:


2025 wurden bundesweit rund 148.600 Online-Stellenanzeigen für Fachkräfte in der Lagerwirtschaft erfasst. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lag bei Helfer/-innen bei 15,7 Prozent, bei Fachkräften dagegen bei 4,9 Prozent. Auch finanziell kann sich der Aufstieg lohnen: Der Unterschied beträgt im Median rund 493 Euro brutto im Monat. [1] [4]

Qualifizierungsbedarf sieht die Studie beispielsweise beim Umgang mit Gabelstaplern und anderen Flurförderzeugen, bei Bestandskontrolle und Warenflusssteuerung sowie bei digitalen Lagerverwaltungssystemen. Geeignete Teilqualifikationen betreffen unter anderem Waren kommissionieren, Waren versenden sowie logistische Prozesse planen und optimieren. Aus dem allgemeinen Wunsch „Wir brauchen mehr Fachkräfte“ wird so ein konkreter Entwicklungsweg. [1]

Der Potenzialcheck

Mit fünf Fragen lässt sich das Potenzial im Betrieb systematisch prüfen:

1. Wer könnte mehr Verantwortung übernehmen?

Welche Mitarbeiter/-innen arbeiten zuverlässig, lernen schnell oder übernehmen bereits anspruchsvollere Aufgaben?

2. Was kann die Person bereits?

Nicht nur auf Abschlüsse schauen: Welche Tätigkeiten beherrscht die Person bereits selbstständig?

3. Was fehlt für die gewünschte Fachkrafttätigkeit?

Sind es Fachkenntnisse, digitale Kompetenzen, Planung oder Dokumentation – oder vor allem formale Nachweise?

4. Werden diese Fachkräfte tatsächlich gebraucht?

Prüfen Sie auch die regionale Nachfrage. Der Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt, welche Berufe und Kompetenzen in einzelnen Regionen gefragt sind. [1]

5. Welcher Qualifizierungsweg passt?

Je nach Ausgangslage können einzelne Teilqualifikationen, eine Externenprüfung, die Validierung vorhandener Berufserfahrung oder eine Umschulung infrage kommen. [1]

So wird aus der allgemeinen Frage „Hat diese Person Potenzial?“ eine konkrete: „Was fehlt ihr noch, um bei uns Aufgaben auf Fachkraftniveau übernehmen zu können?“
Fazit: Die nächste Fachkraft kommt vielleicht nicht von außen

Nicht jede offene Fachkraftstelle lässt sich durch die Weiterqualifizierung einer Helferin oder eines Helfers besetzen. Und nicht jede kurze Weiterbildung bringt Mitarbeitende automatisch auf ein Fachkraftniveau. Aber wer bereits im Betrieb arbeitet, kennt Abläufe, Produkte, Kolleg/-innen und Unternehmenskultur. Wenn vorhandene Kompetenzen sichtbar gemacht und fehlende Fähigkeiten gezielt aufgebaut werden, profitieren beide Seiten: Beschäftigte erhalten bessere Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten – und Unternehmen gewinnen Fachkräfte aus den eigenen Reihen.

Für Ausbilder/-innen erweitert sich damit der Blick: Es geht nicht nur darum, Nachwuchs auszubilden. Manchmal beginnt Fachkräftesicherung damit, in einem Menschen, der schon da ist, die Fachkraft von morgen zu erkennen.
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