Genau dieser Frage geht die 2026 veröffentlichte Studie „Aufstiege ermöglichen – Wie aus Helfer:innen Fachkräfte werden“ der Bertelsmann Stiftung nach. Grundlage ist unter anderem die Auswertung von mehr als 40 Millionen Online-Stellenanzeigen. Untersucht wurde, welche Kompetenzen Betriebe bei Helfer/-innen und Fachkräften tatsächlich verlangen – und was für den Aufstieg zur Fachkraft noch fehlt. [1]
Die zentrale Botschaft: Fachkräftesicherung muss nicht immer mit der Suche nach neuen Beschäftigten beginnen. Es lohnt sich auch der Blick auf die Menschen, die bereits im Unternehmen arbeiten.
Viel Potenzial – aber schwierige Perspektiven
Fast 4,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zwischen 25 und 64 Jahren haben entweder gar keinen oder keinen anerkannten Berufsabschluss. Mehr als 1,5 Millionen von ihnen arbeiten auf Helferniveau. Wichtig dabei: Helfer/-innen und Menschen ohne Berufsabschluss sind nicht dasselbe. Auch Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung können als Helfer/-innen tätig sein. Insgesamt arbeiten rund 5,7 Millionen Menschen auf Helferniveau. [1]
Die beruflichen Chancen unterscheiden sich deutlich: 2025 lag die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss bei 21,3 Prozent, bei Menschen mit Berufsausbildung dagegen bei 3,5 Prozent. [2]
Gleichzeitig fehlen vielen Unternehmen Fachkräfte. Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) ließen sich durch die Qualifizierung von Helfer/-innen rechnerisch 34 Prozent der Fachkräftelücke schließen. [3]
Wer als Helfer/-in arbeitet, startet nicht bei null
Beschäftigte bringen aus ihrer bisherigen Arbeit bereits Kenntnisse, Routinen und praktische Erfahrung mit. Deshalb fragt die Studie nicht nur nach formalen Abschlüssen, sondern vor allem: Was kann eine Person bereits – und welche Kompetenzen fehlen noch für eine Tätigkeit auf Fachkraftniveau? Dabei kann es beispielsweise um Fachkenntnisse, digitale Kompetenzen, Dokumentation, Prozessverständnis, selbstständiges Arbeiten, Kommunikation oder Planung gehen. [1]
Für Betriebe bedeutet das: Statt Beschäftigte komplett neu zu qualifizieren, kann vorhandenes Können zum Ausgangspunkt werden, um gezielt die noch fehlenden Kompetenzen aufzubauen.
Nicht jeder Aufstieg funktioniert gleich
Die Studie untersucht acht Berufsfelder und unterscheidet drei Wege:
Teilqualifikationen: Schritt für Schritt weiterkommen
Eine wichtige Rolle können Teilqualifikationen (TQ) spielen. Sie ermöglichen es, berufliche Kompetenzen schrittweise in abgegrenzten Handlungsfeldern aufzubauen und erworbene Kenntnisse nachzuweisen. Das ist besonders für Erwachsene interessant, die bereits im Berufsleben stehen: Neue Kompetenzen können an vorhandene Erfahrungen anknüpfen und berufsbegleitend erworben werden – bis hin zum Berufsabschluss. [1]
Wie das aussehen kann, zeigt die Studie am Beispiel Lagerwirtschaft:
2025 wurden bundesweit rund 148.600 Online-Stellenanzeigen für Fachkräfte in der Lagerwirtschaft erfasst. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lag bei Helfer/-innen bei 15,7 Prozent, bei Fachkräften dagegen bei 4,9 Prozent. Auch finanziell kann sich der Aufstieg lohnen: Der Unterschied beträgt im Median rund 493 Euro brutto im Monat. [1] [4]
Qualifizierungsbedarf sieht die Studie beispielsweise beim Umgang mit Gabelstaplern und anderen Flurförderzeugen, bei Bestandskontrolle und Warenflusssteuerung sowie bei digitalen Lagerverwaltungssystemen. Geeignete Teilqualifikationen betreffen unter anderem Waren kommissionieren, Waren versenden sowie logistische Prozesse planen und optimieren. Aus dem allgemeinen Wunsch „Wir brauchen mehr Fachkräfte“ wird so ein konkreter Entwicklungsweg. [1]


