Genau deshalb ist Networking und Austausch längst kein nice to have mehr, sondern eine Art „Unterstützungssystem“, das viele Fragen beantworten kann, z. B.
- Was kommt auf uns zu?
- Was funktioniert bei anderen und was nicht?
- Welche Tools sind praxistauglich, welche sind eher Marketing?
Austausch, neues Wissen und einen Blick auf die Trends benötigen wir in der Ausbildung in allen Bereichen: beim Recruiting, beim Onboarding, bei Lehr- und Lernmethoden, bei Fachinhalten und zunehmend auch beim sinnvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Warum ist Austausch so wichtig?
In der Berufsbildung erleben wir das, was Lernforschung seit Jahren beschreibt. Wir lernen besonders wirksam gemeinsam, von und mit anderen, in Communities (also in Gruppen). Wir lernen über die Praxis und den Austausch darüber, über die Beschäftigung mit Problemen und den Austausch über Lösungsansätze. Angelehnt an Wengers Communities of Practice ist das eigentlich ein ‚klassischer‘ Wissensmanagement-Ansatz. Aktueller beschrieben in Wenger (2015) könnte man sagen: Ein gutes Netzwerk spart Zeit, indem es eigene Fehlversuche reduziert und erprobte Lösungsansätze liefert.
Welche Möglichkeiten gibt es denn für Ausbilder/-innen?
Beim Informieren und Networken für Ausbilder und Ausbilderinnen kann man gut in drei „Schubladen“ denken, je nachdem, wie viel Zeit man hat und welchen Nutzen man sucht:
1. Kongresse
Überregionale Kongresse geben einen guten Gesamtüberblick über aktuelle Trends, viele Impulse und Lösungsansätze aus der Praxis und haben ein sehr starkes Netzwerkpotenzial. Meist gibt es auf diesen Kongressen Keynotes zu Trendthemen (oft von prominenten Sprechern), Diskussionsrunden und Workshops sowie Vorträge und Networking-Möglichkeiten. Im Bereich der beruflichen Bildung sind etablierte Events zum Beispiel der Jahreskongress berufliche Bildung (https://www.jakobb.de/), der Christiani Ausbildertag (https://www.christiani.de/cms/ausbildertag - dieses Jahr in Berlin zusammen mit dem jakobb) und der Deutsche Ausbildungsleiterkongress (https://deutscher-ausbildungsleitungskongress.de/). Tipp: hier lohnt sich oft ein jährlicher Besuch. Die Themen und Gäste passen sich schnell den aktuellen Trends an und die Veranstaltung adressiert die Zielgruppe Ausbilder/-innen sehr genau.
2. Messen & Learning Events
Regionale Berufsbildungsmessen, Jobmessen etc. gibt es viele − oft mit Fokus auf Nachwuchsgewinnung. Bei übergreifenden Bildungsmessen sind in Deutschland die „Platzhirsche“ zum einen die Didacta (https://www.didacta-koeln.de/) als größte Bildungsmesse in Europa und die learntec (https://www.learntec.de/) als größte Veranstaltung für digitale Bildung in Europa. Beide Messen adressieren alle Bildungsbereiche von der frühkindlichen Bildung bis zum Studium / bis zur Fort- und Weiterbildung. Auf beiden Messen gibt es auch spezielle Bereiche für die berufliche Ausbildung. Die Messen bieten eine gute Orientierung hinsichtlich Bildungstrends. Das Networking ist nicht so fokussiert wie auf den Kongressen. Tipp: da viele Zielgruppen angesprochen werden, sind die Themen oft weniger spezifisch und bieten weniger konkrete Lösungsansätze. Ein Besuch empfiehlt sich alle 2-3 Jahre an.
3. Plattformen / Netzwerke / Arbeitskreise
Für den kontinuierlichen Austausch und praxisnahe Ansätze bieten sich Berufsbildungsplattformen, Netzwerke und Arbeitskreise an. Diese sind meist regional, es gibt aber auch überregionale Angebote.
Eine große Plattform für Community-Aufbau und Informationen aus erster Hand ist die Webseite Leando (https://leando.de/) vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Neben aktuellen Informationen und einer Plattform für den Austausch, bietet Leando auch Veranstaltungen wie Webinare zu aktuellen Themen sowie Roadshows durch Deutschland mit Vorträgen oder Workshops.
Eine weitere große Plattform für kostenfreie Vorträge und Workshops sowie kostenpflichtige Fort- und Weiterbildungen und aktuelle fachliche und überfachliche Informationen bietet das Netzwerk Q40. Die Veranstaltungen fördern meist intensiv den Austausch und das Netzwerken der Teilnehmenden. Das Netzwerk Q40 ist eine bundesgeförderte Zusammenarbeit des Instituts der Wirtschaft, der Bildungswerke der Wirtschaft und anderer Bildungsinstitutionen (https://netzwerkq40.de/ )
Neben den überregionalen Angeboten sollten Ausbilder und Ausbilderinnen auch über regionale Veranstaltungen oder Arbeitskreise an aktuellen Themen dranbleiben und sich vernetzen. Diese regionalen Veranstaltungen werden oft von den Kammern (IHK / HWK) oder über Bildungswerke angeboten. Das Besondere daran sind die kurzen Wege, der direkte Austausch über echte Praxisfälle und die wiederkehrenden Treffen.
Fazit:
Ausbildung benötigt ein „Radar“ für Trends und praxistaugliche Lösungen. Ein paar gezielte Networking-Termine und der eine oder andere Arbeitskreis vor Ort bringen Ausbilder und Ausbilderinnen schnell in die Themen. Und das, ohne alles selbst und allein ausprobieren zu müssen.
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