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Der Ratgeber zum Thema Inklusion.

Um Sie bei der Planung und Umsetzung eines guten inklusiven Unterrichts zu unterstützen, stellen wir Ihnen im Ratgeber Kommentare, Tipps und Praxisbeispiele von Prof. Dr. Wolfgang Steinig zur Verfügung.

"Inklusion rückt die Unterschiedlichkeit aller in den Fokus. Vielfalt wird als Normalität akzeptiert."
Die Informationen sind in folgende Rubriken aufgeteilt:


Unsere Broschüre Inklusiv unterrichten -
Kommentare, Tipps, Praxisbeispiele von
Prof. Dr. Wolfgang Steinig können Sie
online lesen oder gratis bestellen.
WAS IST INKLUSION?
Inklusion - Der Begriff ist im deutschen Sprachgebrauch häufig zu finden. Aber wissen Sie was Inklusion eigentlich bedeutet?

Inklusion steht für, dass jedem Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in allen Bereichen gesttatet ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Mensch eine Behinderung, eine Krankheit oder Migrationshintergrund hat, auch ältere Menschen gehören dazu. Dabei ist jeder Mensch ein vollkommen gleichwertiges Mitglied und das Vorhandensein von Unterschieden wird als Bereicherung empfunden. Mit dieser Ansicht kann wahrgenommen werden, dass jeder Mensch anders ist, die Gesellschaft aber 
von dieser Vielfalt profitieren kann.


INKLUSIVER UNTERRICHT
Wer bislang guten Unterricht gemacht hat, wird inklusiven Unterricht nicht gänzlich anders gestalten müssen. Nach wie vor wird man auf den in der Forschung weitgehend unstrittigen Prinzipien und Komponenten guten Unterrichts aufbauen können, denn die Förderschüler, die Ihnen zugewiesen werden, unterscheiden sich oft kaum von den Ihnen längst bekannten problematischen Kindern. Die eine gute für alle richtige Praxis gibt es nicht, aber es gibt Prinzipien guten Unterrichts, an denen man sich orientieren kann. Wählen Sie aus, was Sie für sich akzeptieren können und ausprobieren möchten. Eine Garantie, ob die folgenden Vorschläge bei Ihnen gut funktionieren, können wir nicht geben. Aber der Mut, etwas Neues auszuprobieren, wird in der Regel belohnt. Er macht zu einem nicht unerheblichen Teil den Reiz unseres Berufes aus. Wir lernen ständig hinzu und machen neue Erfahrungen – mit der Inklusion ganz bestimmt.
Dazu vielleicht noch ein Tipp: Lassen Sie während Ihres Unterrichts ein oder zwei Stunden eine Videokamera laufen, die Sie hinten im Klassenzimmer auf einem Stativ befestigen und schauen Sie sich den Mitschnitt in Ruhe zu Hause an. Wahrscheinlich werden Ihnen rasch Äußerungen und Verhaltensweisen auffallen, die Ihnen eigentümlich vorkommen und die Sie gerne verändern möchten. Besonders dann, wenn man schon längere Zeit als Lehrkraft tätig ist und sich sicher fühlt, haben sich Verhaltensroutinen entwickelt, die einem nicht bewusst sind. Der Zeitpunkt, mit einer Inklusionsklasse erstmalig zu beginnen, erscheint uns als günstige Wegmarke im Berufsalltag, um sich selbst zu beobachten und sein Verhalten neu zu justieren. Sinnvoll ist es natürlich auch, eine Kollegin, einen Kollegen einzuladen, die/der sich Ihren Unterricht anschaut, eine kritische Rückmeldung gibt und mit Ihnen Alternativen diskutiert.
INKLUSIV IM KLASSENZIMMER
Orientierung und Ordnung im Klassenzimmer
Der Schultag beginnt, wenn die Kinder ins Klassenzimmer kommen. Jedes Kind darf diese Zeit des Ankommens nach seinen Bedürfnissen gestalten. Manche unterhalten sich sofort aufgeregt, andere wollen zunächst alleine sein, lesen in Büchern oder beschäftigen sich mit bestimmten Materialien. In dieser Zeit sollte man sich besonders den Kindern zuwenden, die Schule als anstrengend und belastend empfinden. Der offene Beginn hilft Kindern, den Übergang vom Elternhaus und vom Kindergarten zur Schule, den viele als Bruch erleben, leichter zu bewältigen. Brüche müssen Kinder heutzutage in deutlich höherem Maße und in immer jüngerem Alter bewältigen, etwa im Umgang mit getrennt lebenden Eltern oder kulturell anders geprägten Lebenswelten. Den Bruch zwischen privater, vorschulischer und schulischer Welt können und sollten wir pädagogisch so gestalten, dass Kinder ihn für sich nutzen können und als Herausforderung erleben. Dies unterstützt die Ausformung eines positiven Selbstkonzepts, das insbesondere bei Inklusionskindern häufig negativ geprägt ist und so in erheblichem Maße Schul- oder Lernprobleme herausfordert.  

In Ruhe arbeiten können

Mit einem größeren Anteil von Förderschülern steigt die Gefahr, dass der Anteil echter Lernzeit zurückgeht, insbesondere durch Störungen und das Bemühen, Ruhe herzustellen. Duldsam und vermeintlich verständnisvoll Störungsphasen zu ignorieren und zu hoffen, störende Kinder würden sich, wenn man sie nicht beachte, wieder beruhigen, ist wenig sinnvoll. Auf diese Weise geht viel Lernzeit verloren, denn nicht nur Sie, sondern auch die Mitschülerinnen und Mitschüler fühlen sich gestört und werden vom Lernen abgelenkt. Deshalb sollte man jeden Ansatz einer Störung möglichst gleich unterbinden. Anstatt die Kinder immer wieder an das Ruhegebot zu erinnern und sie zu ermahnen, sollte man visuelle und akustische Signale vereinbaren.

Sich besser verstehen
Guter Unterricht zeichnet sich durch ein lernförderliches Klassenklima aus, das auf einem freundlich-anerkennenden Lehrerstil beruht, in dem die Kinder viel Lob bekommen, auch die schwachen Kinder. Schwache Kinder für ihre Leistungen zu loben, gelingt aber nur, wenn man nicht den Klassendurchschnitt als Maßstab nimmt, sondern die individuelle Entwicklung des Kindes. Ein Lob darf aber nicht ständig und stereotyp geäußert werden. Die Kinder wissen meist selbst sehr genau, wann etwas gut, besonders gut oder nicht so gut war. Dementsprechend sollte ein Lob auch individuell formuliert werden, an die jeweilige Situation und das Kind angepasst. Man sollte auch deutlich machen, wie man seine Leistung noch weiter steigern kann. Nachhaltig loben bedeutet, jedem Kind zu vermitteln, dass es sich auf einem Weg befindet, auf dem man sich von Stufe zu Stufe verbessern kann. 
Das immer wieder angeführte Lernen mit allen Sinnen ist besonders für Förderschülerinnen und -schüler von großer Bedeutung. Und es gehört ja auch längst zum üblichen Bestandteil guten Grundschulunterrichts. Als akademisch geschulte Lehrkraft vergisst man nur leider zu oft, wie wichtig dieses Prinzip vor allem für Kinder ist, die über Sprache allein nicht genug verstehen. 
Lernen mit allen Sinnen
Ein intensiver körperlicher Bezug zur silbischen Gliederung unserer Sprache ist eine wichtige Voraussetzung, um die Rechtschreibung zu erlernen. Deshalb sollte man die Kinder besonders zu Beginn der ersten Klasse, aber auch noch später, immer wieder Silben schwingen lassen, am besten stehend und mit weit ausholenden Armbewegungen, oder aber die Silben von Wörtern mit großen Schritten bewusst machen. Der Unterschied zwischen Lang- und Kurzvokalen lässt sich mit Gesten verdeutlichen. Wörter wie Schlaf oder Ofen werden beispielsweise mit langsam sich immer weiter ausbreitenden Armen gesprochen, wobei die langen Vokale a und o so gedehnt wie möglich gesprochen werden, während Wörter mit Kurzvokalen wie schlaff und offen mit einer kurzen heftigen Bewegung ausgestoßen werden, indem man die Handflächen aufeinander presst und die Arme von oben nach unten sausen lässt. So wird den Kindern der für das Deutsche fundamentale Unterschied in der Aussprache von Lang- und Kurzvokalen in betonten Silben gewissermaßen körperlich eingeprägt. 

Aktivitäten im Plenum
Gemeinsame Phasen haben einen mehr oder weniger stark ausgeprägten rituellen Charakter mit identischen Elementen, die den Kindern Sicherheit und Orientierung geben und das Gefühl der Gemeinschaft stärken: Wir sind eine Klasse. Auch wenn wir alle sehr verschieden sind. Mit wenigen Worten und/oder mit vereinbarten Zeichen kann die Lehrkraft diese Phasen ankündigen, sodass sich die Kinder rasch und ohne größere Störungen auf die entsprechenden Plätze begeben können. Für die Arbeit im Plenum müssen die Kinder Gesprächsregeln kennen, vor allem sich gegenseitig zuhören, ausreden lassen und sich melden. Sich zu melden kennen die Kinder
normalerweise aus dem Kindergarten, daran kann man heute problemlos anknüpfen. Dennoch muss das auch zu Schulbeginn im Plenum thematisiert und auch später noch immer wieder geübt werden. Im Morgenkreis können bis zu drei Kinder etwas vorstellen, zeigen und erläutern oder erzählen. Bevor es losgeht, erfährt die Lehrkraft, um was es gehen soll und gibt Hinweise zur Darstellung. Die Kinder lernen dabei, die Relevanz von Informationen einzuschätzen: Nur bedeutsame Geschehnisse sind es wert, mitgeteilt zu werden. 
HERAUSFORDERUNGEN
Was wird anders?
Inklusion bedeutet eine größere Vielfalt an Persönlichkeits- und Leistungsprofilen unter den Schülerinnen und Schülern. Inklusiver Unterricht muss deshalb schülerzentriert sein, stärker differenzieren und mehr auf ein achtsames Miteinander setzen. Die Unterrichtspraxis ist variabler und vielfältiger und die Aufgaben, die in schülerzentrierten Arbeitsphasen bearbeitet werden, decken eine größere Bandbreite ab, um den unterschiedlichen Lernbedürfnissen gerecht zu werden. Auch die Lehrkräfte müssen sich dem gestiegenen Anspruch an Flexibilität und Vielfalt stellen. Inklusive Erziehung bedeutet mehr als eine organisatorische Entscheidung für gemeinsames Lernen unter einem Dach. Sie beruht auf der Wertschätzung von Kindern als Individuen.

Stärken erkennen

Inklusion meint keine Fokussierung auf Kinder mit speziellen Behinderungen. Inklusion meint vielmehr eine möglichst passgenaue Förderung aller Kinder mit ihren Stärken und Schwächen und ihre soziale Einbindung in die Klassengemeinschaft. Ein leistungsschwaches Kind kann oft auf einem Gebiet, dem im normalen Unterricht wenig Beachtung geschenkt wird, überdurchschnittliche Fähigkeiten zeigen. Diese Fähigkeiten gilt es zu entdecken. Wenn sich ein Kind mit schlechten Leistungen im Lesen, Schreiben oder Rechnen hier beweisen kann, steigert es sein Selbstbewusstsein und es wird sich auch in den problematischen Bereichen mehr zutrauen.
EINBINDUNG DER ELTERN
Umgang mit den Eltern
Eltern orientieren sich in ihrer Vorstellung von Schule und Unterricht vor allem an ihren eigenen Erfahrungen als Schüler. Ein Unterricht, in dem Kinder nicht im Gleichschritt arbeiten, empfinden viele Eltern häufig als irritierend. Eltern von (vermeintlich) lernstarken wie von lernschwachen (Inklusions-)Kindern haben oft Bedenken, dass ihr Kind nicht ausreichend gefördert wird. Manche verstehen nicht, dass ein differenziertes, schülerzentriertes Arbeiten zu einer leistungsgerechteren Förderung führt als Unterricht im Gleichschritt. Eltern von stärker beeinträchtigten Inklusionskindern sind dagegen mit dem für sie ungewohnten Unterricht eher einverstanden, da sie sich bewusst gegen eine Förderschule und für die Regel-schule entschieden haben. Auf Elternversammlungen sollte die Sinnhaftigkeit der Methodik aus praktischer wie wissenschaftlicher Perspektive mehrfach erläutert werden, sodass möglichst alle von der Effektivität des Vorgehens überzeugt sind und kooperieren. Verdeutlichen Sie den Unterschied zwischen einer schüler- und einer lehrerzentrierten Unterrichtsmethodik am besten anhand einer Grafik12. Zeigen und erläutern Sie den Eltern die Materialien, erklären Sie ihnen die unterschiedlichen Bereiche des Klassenzimmers (Ablagen, Leseecke, Computerarbeits-  platz) und ihre lerntheoretisch begründete Funktionalität. Lassen Sie die Eltern auch einmal das Material selbst ausprobieren. Das selbstständige Tun ist meist überzeugender als ein Vortrag. Den Eltern, die sich eingehender mit einzelnen Aspekten befassen möchten, können Sie Literatur zur Ausleihe anbieten.