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Neue Wege gehen!

Ein Interview mit Arno Lergenmüller über seine Zeit als Westermann-Autor und Herausgeber für Mathematik NEUE WEGE
Arno Lergenmüller war 1997 einer der Initiatoren der Reihe und begleitete sie lange als Herausgeber. Im Januar 2025 hat er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und geht nun ganz persönlich neue Wege.
Wie sind Sie dazu gekommen, Autor und Herausgeber zu werden und was war Ihre persönliche Motivation, ein völlig neues Lehrwerk zu entwickeln?

Ich war bereits mehrere Jahre in der Lehrerausbildung und -fortbildung und als Autor für Mathebücher tätig. In den Jahren 1995 und 1996 habe ich zudem als Math Professor in den USA an zwei Colleges gearbeitet. Auch in den USA interessierte ich mich sehr für die Schulbücher. Amerikanische „textbooks“ unterschieden sich damals stark von den deutschen Schulbüchern. Zum Beispiel ermöglichten die zahlreichen Aufgabenlösungen im Lehrbuch den Lernenden eine eigene Erfolgskontrolle. Dazu kam, dass amerikanische Mathebücher auf den ersten Blick animierender wirkten als die deutschen Schulbücher der damaligen Zeit. Sie bestachen durch ansprechende, große Fotos und einen großzügigen, übersichtlichen Satz. Es gab Texte zu Mathematikern und Anwendungen der Mathematik. Dies müsste doch auch in Deutschland möglich sein, hoffte ich, auch, wenn dies zunächst nicht dem damaligen Zeitgeist entsprach.
Welches Ziel haben Sie mit Mathematik NEUE WEGE verfolgt?

Westermann ermöglichte es mir, mit Fachleitungen, Hochschullehrkräften und Fachkollegen und -kolleginnen ein alternatives Schulbuch zu erarbeiten, in dessen Mittelpunkt die Anwendungs- und Schülerorientierung steht. NEUE WEGE ist ein Mathematikbuch, das Schülerinnen und Schüler einlädt, sich anhand anwendungsorientierter Problemstellungen eigenständig einem Themenkreis zu nähern und erste neue Erkenntnisse zu gewinnen. Der mathematische Kern wird als Basiswissen beschrieben, anhand von Musteraufgaben angewendet und in einem sich vom Anspruchsniveau her steigernden Aufgabenmaterial eingeübt und gesichert. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, eine eigene Erfolgskontrolle durchzuführen. Im Mittelpunkt bleiben dabei stets die Lernenden.
Was hat Sie an der Arbeit als Autor und Herausgeber gereizt?

Besonders gereizt hat mich, mit engagierten Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten und zu diskutieren – durchaus auch kontrovers – und so den eigenen Blick auf den Mathematikunterricht zu schärfen. Dazu kamen auch die zahlreichen Meetings, Tagungen und Fachkonferenzen, bei denen man das Unterrichtswerk vorstellen und sich mit Fragen des Mathematikunterrichtes auseinandersetzen konnte. Verschweigen darf ich dabei nicht, dass diese Arbeit auch meinen eigenen Unterricht außerordentlich befruchtet hat, und dass im Gegenzug vieles, was wir in die Bücher eingebracht haben, das Ergebnis unserer „Feldversuche“ im eigenen Unterricht war.
Woran denken Sie am liebsten zurück, wenn Sie auf Ihre Zeit als Herausgeber zurückschauen?

Besonders genossen habe ich die Meetings mit Kolleginnen und Kollegen sowie den Redakteurinnen und Redakteuren. Es wurden intensiv didaktische und methodische Fragen des Mathematikunterrichts diskutiert und unser Blick auf verlagsstrategische und druck- und satztechnisch relevante Fragen geweitet. Und natürlich blieb es bei einer solch intensiven Zusammenarbeit nicht aus, dass auch zahlreiche persönliche Kontakte entstanden sind und weiterhin bestehen.
Zum Abschied haben Sie von Ihrer Redaktion und dem Regionalteam NEUE WEGE Rheinland-Pfalz ein Glücksrad mit mathematisch-humorvollen Freizeitideen geschenkt bekommen – welche dieser „NEUEN WEGE der Freizeitbeschäftigung“ reizt Sie am meisten?

Freizeitideen gibt es viele. Meine Favoriten sind: „Fünf gerade sein lassen“, „Im Garten eine Wurzel ziehen“, „Etwas zwischen 180° und 360° kochen“ – mit dem Air Fryer natürlich – und „Ins Museum gehen“. Denn mittlerweile bin ich Vorsitzender des Fördervereins des Museums für Puppentheaterkultur in Bad Kreuznach, dem schönsten Puppen- und Marionettenmuseum Deutschlands. Mitglieder nach wie vor gesucht!
Und die Schule hat mich auch nicht ganz losgelassen. Immer wieder verhelfe ich Kindern und Enkelkindern aus unserem Freundeskreis zu einem besseren Durchblick in Mathematik. Trotz aller Veränderungen durch die neuen Medien, die der Mathematikunterricht erlebt hat und weiterhin erlebt, haben diese Erfahrungen meine Überzeugung gestärkt, dass der „Human Factor“ der Schule durch nichts zu ersetzen ist.