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Praxis Sprache Neubearbeitung 2025 - Mittlere Schulformen

Im Interview: Prof. Dr. Astrid Müller und Prof. Dr. Tilman von Brand, Herausgeberin und Herausgeber der Neubearbeitung von Praxis Sprache 2025.
Was war Ihre Motivation, die Neubearbeitung von Praxis Sprache zu übernehmen?

Astrid Müller: Praxis Sprache war für mich immer die Nummer eins der Schulbücher, die ich gern empfohlen habe wegen des entdeckenden Lernens, des starken Lebensweltbezugs und der didaktisch klug aufgebauten Kapitel. Damit lässt sich einfach gut arbeiten. Die Idee, dieses Schulbuch weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu tragen, fand ich eine schöne Herausforderung – vor allem auch in der Zusammenarbeit mit Herrn von Brand.

Tilman von Brand:
 Ich kann mich da nur anschließen: Es handelt sich um ein wirklich gutes, weit verbreitetes Schulbuch mit einer handlungs- und produktionsorientierten Grundausrichtung.
Was war Ihnen besonders wichtig bei der Neubearbeitung?

Tilman von Brand:
 In erster Linie wollten wir ein gutes Schulbuch machen, das Lernende und Lehrende gleichermaßen anspricht: Aktuelle und relevante Inhalte, motivierende Aufgaben und vor allem eine unterstützende Ansprache. Außerdem sollte es ein Buch werden, das gemeinsames Lernen in den Mittelpunkt stellt – bei aller notwendigen Individualisierung und Differenzierung. Und dabei sollte entdeckendes Lernen eine große Rolle spielen.

Astrid Müller: Wir wollten selbstverständlich viel von dem bewahren, was Praxis Sprache immer ausgezeichnet hat: Die Orientierung an den Lernenden, die Möglichkeit, gemeinsam an einem Lerngegenstand zu arbeiten, sprachliche Strukturen zu entdecken und altersgerecht und motivierend an literarischen Texten zu arbeiten. Es ging bei der Neubearbeitung um eine Modernisierung durch aktuellere Themen und Texte, aber auch darum, das, was wir in den letzten Jahren in der Deutschdidaktik über sprachliches und literaturästhetisches Lernen erforscht und gelernt haben, aufzugreifen. Und selbstverständlich war uns auch ein gutes Differenzierungskonzept wichtig, das den Lehrkräften Unterstützung im Umgang mit heterogenen Lerngruppen bietet.
Sie sind beide als Professor/-in für den Bereich Didaktik der deutschen Sprache und Literatur tätig – sowohl in der universitären Lehre als auch in der Forschung. Wie haben Sie Ihre Forschungsschwerpunkte in die Neubearbeitung von Praxis Sprache einfließen lassen?

Astrid Müller: 
Ich habe in den letzten Jahren viel im Bereich der Rechtschreibdidaktik geforscht und in drei großen Studien in der Zusammenarbeit mit Lehrkräften und ihren Klassen untersuchen dürfen, ob es Lernenden hilft, wenn sie sich beim Erarbeiten der Wortschreibung und der satzinternen Großschreibung an Strukturen orientieren können, die das deutsche Schriftsystem bietet. Die Ergebnisse waren sehr überzeugend: Rechtschreibunsichere Lernende in Klasse 5 haben zum Beispiel in den Rechtschreibtests zur Wortschreibung signifikant besser abgeschnitten als die vergleichbare Lerngruppe der Kontrollklassen. Deshalb findet sich dieser strukturbezogene Ansatz nun auch in Praxis Sprache. Und auch in den Kapiteln zur Grammatik, die in Praxis Sprache immer sehr von den Lehrenden geschätzt wurden, gibt es einzelne Neuerungen, die der aktuellen didaktischen Forschung entsprechen.

Tilman von Brand: Mein Fokus lag vor allem auf dem Differenzierungskonzept, das über die übliche Niveaudifferenzierung hinaus gehen sollte. Hierbei war es uns wichtig, die Lernenden trotz unterschiedlicher Lernpfade immer wieder zusammenzuführen. Zudem war mir – es mag auf den ersten Blick skurril wirken – der Unterricht wichtig: Es soll eine Lernsituation geschaffen werden, die sich nicht im Abarbeiten von Lernaufgaben erschöpft, sondern immer wieder den Austausch anregt und auch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren einschließt.
Welche Erfahrungen aus Ihrer eigenen Schul- oder Unterrichtsbiografie prägen bis heute Ihre Vorstellung davon, wie ein gutes Lehrwerk für den Deutschunterricht aussehen sollte?

Astrid Müller: 
Ich habe viele Jahre als Lehrerin in der Sekundarstufe gearbeitet. Mit einem Buch, das mir eine schnelle thematische Orientierung ermöglicht, das altersangemessene, interessante Texte anbietet, das anregende Aufgaben bereithält, das mir methodisch unterschiedliche Zugänge ermöglicht, hätte ich sehr gern gearbeitet. Und trotz Differenzierung: Lernwege und Lernergebnisse gemeinsam besprechen zu können, als Lerngruppe beim und durch das Lernen zusammenzufinden – das finde ich nach wie vor äußerst wichtig.

Tilman von Brand: Deutschbücher wurden bei mir deutlich weniger eingesetzt als Bücher anderer Fächer. Das lag sowohl an den Aufgaben als auch an den enthaltenen Texten, von denen meine Lehrkräfte – oft aus gutem Grund – abwichen. Hier nun ein Buch zu gestalten, das den Vorstellungen von modernem Deutschunterricht gerecht wird, fand ich sehr reizvoll.
Wir leben in einer Zeit rasanter technologischer Entwicklungen und digitaler Transformation: Welche Entwicklungen prägen, Ihrer Meinung nach, den Deutschunterricht der Zukunft – und wie greift Praxis Sprache diese Entwicklungen auf?

Astrid Müller:
 Da ist natürlich in erster Linie die rasante Entwicklung im Bereich KI zu nennen. Es wird hoffentlich nicht Alltag werden, dass von der KI geschriebene Texte von einer anderen KI korrigiert und bewertet werden. Aber natürlich freuen wir uns, dass wir mit Praxis Sprache so tolle digitale Möglichkeiten, z.B. durch die BiBox, anbieten können. Sich Texte vorlesen zu lassen, Vorlagen nutzen zu können, sich Texte in anderen Sprachen und in Dialekten anhören zu können usw. – das sind sehr schöne Möglichkeiten, das Lernen interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten.

Tilman von Brand:  Der Deutschunterricht wird mehr als andere Fächer immer darauf reagieren müssen, wie und was (nicht nur) junge Menschen sprechen, hören, lesen oder sehen, wie sie kommunizieren und welche Medien sie in welcher Form nutzen. In einigen Bereichen geht es dann darum, Inhalte und Gegenstände neu auszurichten und an neue Erfordernisse anzupassen, in anderen Bereichen wird man auch mal gegensteuern müssen. Insgesamt spielt der ganze Bereich Medien in Praxis Sprache eine viel größere Rolle: Einerseits thematisch, andererseits aber auch in der Aufbereitung des Lernangebots, wie Astrid Müller schon ausführte.
Gibt es eine Aufgabe oder ein Kapitel in der Neubearbeitung von Praxis Sprache, das Ihnen besonders einprägsam oder inspirierend erscheint?

Astrid Müller:
 Ich habe das Hörbuchkapitel besonders gern, weil dieses besonders schön zeigt,
wie Praxis Sprache mit der Medienvielfalt umgeht. Zudem wurden hier sehr schöne Hörbücher ausgewählt, die sowohl den Lehrkräften als auch den Kindern Spaß machen werden. Ich möchte aber nicht zu viel vorwegnehmen, sodass Lehrkräfte und auch Kinder ihr eigenes Lieblingskapitel oder auch ihre Lieblingsgeschichte entdecken können.

Tilman von Brand: Ich würde tatsächlich auch ein Kapitel herausgreifen, und zwar das zum Geschichtenschreiben, weil wir hier eine richtige Innovation im Schulbuch haben. Wir haben das vergleichsweise neue Konzept des Literarischen Schreibens integriert, mit der Idee, dass man Literatur nicht nur durch Lesen, sondern auch durch eigenes Schreiben verstehen und lernen kann. Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich einen „Werkzeugkoffer“ des literarischen Schreibens, mit dem sie – idealerweise – flexibel umgehen und ihn für eigenes weiteres literarisches Schreiben nutzen können. So umgesetzt habe ich das bislang in keinem anderen Schulbuch gesehen.
Was schätzen Sie an der Arbeit im Herausgeberteam und an der Zusammenarbeit mit Autorinnen, Autoren und der Redaktion?

Astrid Müller:
 Wir profitieren natürlich von den aktuellen Unterrichtserfahrungen der Autorinnen und Autoren. Ich bin jedes Mal sehr überrascht, was für schöne Umsetzungsideen, Themen und Texte vorgeschlagen werden. Und nur dadurch, dass die Redaktion die Neubearbeitung mit tollen inhaltlichen Ideen, großer Umsicht und riesengroßem Einsatz unterstützt, können wir die ehrgeizigen Zeitpläne gut einhalten, sodass sich die Lehrkräfte schon auf den neuen Band freuen können.

Tilman von Brand: Für mich selbst und für das Buch erscheint mir die Zusammensetzung absolut gewinnbringend: Wir profitieren alle von den Kompetenzen der jeweils anderen Gruppen und können so hoffentlich ein Schulbuch machen, dass den Erfordernissen der Praxis gerecht wird, dem Stand der Didaktik entspricht und inhaltlich wie gestalterisch mindestens auf der Höhe der Zeit liegt.
Prof. Dr. Astrid Müller und Prof. Dr. Tilman von Brand sind die Herausgeber/-innen der Neubearbeitung von Praxis Sprache 2025

Prof. Dr. Astrid Müller 

... ist seit 2006 Professorin für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der deutschen Sprache und Literatur mit Fokus auf die Sekundarstufe I und II an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der Leseförderung und der Rechtschreibentwicklung in der Sekundarstufe I. Sie ist seit vielen Jahren Mitherausgeberin der Zeitschrift Praxis Deutsch. Astrid Müller wurde im Jahr 2024 mit dem renommierten Erhard-Friedrich-Preis für Deutschdidaktik ausgezeichnet.

Prof. Dr. Tilman von Brand

... ist seit 2013 Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur am Institut für Germanistik an der Universität Rostock. In seiner Forschung beschäftigt er sich insbesondere mit Individualisierung, Differenzierung und Inklusion im Deutschunterricht. Weitere Schwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der Literatur- und Mediendidaktik, der Lehr- und Lernmittel sowie des historisch-politischen Lernens. Tilman von Brand ist seit vielen Jahren Mitherausgeber von Praxis Deutsch. Als Autor zahlreicher deutschdidaktischer Fachpublikationen prägt er die zeitgenössische Bildung von Lehrkräften nachhaltig.