Frau Prof. Dr. Walter, Frau Jacobi-Wanke, mit „Unterrichtsthemen Pflegefachassistenz“ erscheint ein neues Magazin mit Lehr- und Lernmaterialien zur bundesweiten Pflegefachassistenzausbildung. Welche Zielsetzung verfolgen Sie mit dem Magazin und welche Unterstützung möchten Sie Lehrkräften und Praxisanleitenden konkret bieten?
Wir möchten Lehrenden und Praxisanleitenden in der Pflegefachassistenzausbildung dafür sensibilisieren, was das Neue an der Ausbildung ist – wir möchten ihnen das neue Berufsbild nahebringen. Das tun wir, indem wir ihnen Ideen zur Unterrichts- und Anleitungsgestaltung zur Verfügung stellen, die sie direkt umsetzen können. Wir wollen zeigen, wo genau der Unterschied zur dreijährigen Ausbildung liegt. Wir denken, dass Lehrende, die bisher schon in der dreijährigen Ausbildung tätig sind, mit der Situationslogik des Rahmenlehrplans und des Rahmenausbildungsplans gut klarkommen werden. Es gibt aber auch viele Schulen, die neu mit der Pflegefachassistenzausbildung anfangen und sich den Konstruktionsprinzipien erst einmal annähern müssen.
Die neue Pflegefachassistenzausbildung bringt bundesweit viele Veränderungen mit sich. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Pflegeschulen und Praxiseinrichtungen?
Aus unserer Sicht liegt die große Herausforderung darin, keine „kleine Pflegeausbildung“ aus der Pflegefachassistenzausbildung zu machen, sondern das eigenständige Berufsprofil mit dem eigenständigen Kompetenzbereich zu schärfen. Über Berufsfeldanalysen ist zum Beispiel deutlich geworden, dass Pflegeassistentinnen eine sehr intensive Beziehung mit zu pflegenden Menschen aufbauen – hier liegt eine große Stärke. Darüber können sie detailliert Beobachten und den Pflegefachpersonen ihre Erkenntnisse mitteilen – d.h., sie bringen sich auf diese Weise in den Pflegeprozess ein.
Ein Schwerpunkt des Magazins liegt auf der Verzahnung von Theorie und Praxis. Wie unterstützen die Materialien Lehrkräfte und Praxisanleitende dabei, Lerninhalte praxisnah und lernförderlich zu vermitteln?
Wir empfehlen, in der Schule mit authentischen beruflichen Handlungssituation zu arbeiten, die tatsächlich das Aufgabenspektrum der Pflegefachassistenz abbilden. Das ist ein enormer Beitrag, um schulisches mit praktischem Lernen zu verbinden. Im Rahmenlehrplan ist entsprechend konsequent das Situationsprinzip umgesetzt. Alle Prinzipien sind übrigens auch im Begründungsrahmen der Rahmenpläne erklärt und begründet. Außerdem liegt ein Rahmenplan für die praktische Ausbildung vor, der sich auf den Rahmenlehrplan bezieht. Hier können Praxisanleitende viele Hilfestellungen finden, wie sie praktische Anleitungen gestalten können. Im Magazin finden Lehrende und Praxisanleitende Beispiele für sehr konkrete Lernsituationen, Anleitungssituationen und Anregungen für das simulative Lernen. Wichtig ist uns, dass in der Pflegepraxis nicht Unterricht „nachgeholt“ wird, sondern wirklich in praktischen Situationen gelernt wird.
Die Auszubildenden in der Pflegefachassistenz bringen sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen mit. Wie greift das Magazin Themen wie Heterogenität, Sprachsensibilität und individuelle Förderung auf?
Wir haben vor, die Themen Heterogenität, Sprachsensibilität und individuelle Förderung immer wieder in den Beiträgen aufzugreifen – also an konkrete Ideen für Unterricht und Praxisanleitung anzubinden. Wir möchten die sprachsensible Gestaltung von Materialien ebenso thematisieren wie konkrete Möglichkeiten der Binnendifferenzierung. Allerdings können wir den Lehrenden und Praxisanleitenden nicht abnehmen, die Lernvoraussetzungen ihrer konkreten Lernenden immer wieder neu zu erheben und daran ihr Unterrichts- und Anleitungshandeln auszurichten. Für alle diese Themen möchten wir Hilfestellungen geben.
Welche besonderen Mehrwerte bietet „Unterrichtsthemen Pflegefachassistenz“ im Vergleich zu anderen Unterrichtsmaterialien?
Das Magazin ist von Lehrenden für Lehrende, von Praxisanleitenden für Praxisanleitende erarbeitet und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauert, wo dies möglich ist. Es ist direkt in Unterrichts- und Anleitungssituationen einsetzbar und es finden sich viele Lösungsvorschläge bzw. Erwartungshorizonte.